Tagebuch – jetzt vor 30 Jahren

  • 16.6.94

    16.6.94

    Heute, drei Tage nach meinem Geburtstag, wollte ich eine Art Geburtstagsessen veranstalten. Ich lud deshalb schon am Dienstag (vor zwei Tagen) Christoph, Domi und Dani ein. Da ich mich in Sarina verliebt habe (?) und da ich deshalb, wie ich halt so bin, Angst hatte, sie zu fragen, ob sie, Cindy und Andrea auch mitkommen wollen, beauftragte ich Dani, der ziemlich oft mit Sarina zusammen ist, dies zu tun. Nachdem Dani mit ihr gesprochen hatte, stand fest, dass sie mitkommen wolle, aber sie es von Cindy und Andrea nicht wisse. Da das auch heute Morgen noch so war und da ich, trotz gutem Zureden von Dani, immer noch nicht den Mut aufbrachte, mit Sarina zu reden, schrieb Dani ihr wärend der Schulstunde einen Zettel, in dem er sie fragte, wer jetzt alles mitkomme. Darauf antwortete sie ebenfalls mit einem Brieflein, dass alle drei mitkämen, dass sie es aber ein bisschen schade fände, dass wir bei dem schönen Wetter in den Mäc und nicht an den See gehen. Darauf schrieb ich Sarina ein Zettelchen, in dem ich mich bedankte, dass sie alle mitkämen, mich entschuldigte, dass ich sie nicht selber gefragt hätte (ich schrieb, dass ich ein wenig schiss gehabt hätte) und ihr sagte, dass wir von mir aus auch an den See gehen könnten. Daraufhin schrieb sie mir folgenden Zettel:

    «Schau, mir ist es eigentlich total egal, wohin wir essen gehen. Ich finde es einfach extrem nett, dass du uns wirklich einlädst! Ich habe jetzt gerade noch Cindy und Andrea gefragt und ihnen ist es eigentlich auch egal. Also dann, du hast Geburtstag und kannst auch sagen, wohin wir essen gehen! Viele Grüsse, Sarina»

    Da eine Stunde ausfiel, hatten wir zwei Schulstunden Zeit etwas zu unternehmen. Zuerst gingen wir in den Coop und kauften uns dort «Food» und «z’Sufe». Schon auf dem Weg dorthin wurde mir klar, dass es nicht so werden würde, wie ich es erwartet hatte. Wir waren eigentlich in zwei Gruppen unterwegs: Andrea und Cindy und wir vier Jungen. Sarina versuchte zwar immer eine Art Brücke zu bauen, aber es gelang ihr einfach nicht. Auf jeden Fall gingen wir danach zum See und mieteten uns zwei Gartenpedalos. Leider gingen die Mädchen auf ein Pedalo und die Jungen auf eines, obwohl man auch hier sah, dass Sarina dies zu verhindern suchte. Als wir mit dem Pedalo «rausgepedalot» waren, banden wir die beiden Fahrzeuge zusammen und assen unseren Zmittag (den natürlich ich bezahlt hatte). Sarina fragte plötzlich, wer ihr wieviel bot, wenn sie mit Kleidern ins Wasser (Temperatur = 17ºC!) springe. Neben mehreren Küssen von Dani, Christoph, Domi und Andrea bot ich schliesslich fantasielos 10 Franken. Als sie schliesslich hineingesprungen war, sah sie mehr als toll aus! Ihr Rock klebte an ihren Beinen und ihr T-Shirt an ihren Brüsten. Doch die einzigen, die ihre Abmachung (Küsse und 10.-) einhielten, waren Andrea und ich (war ja auch nicht anders zu erwarten!). Nachdem Dani und Christoph auch noch ins Wasser sprangen, fuhren wir wieder an Land. Trotz vielen Versuchen von Sarina, die Stimmung zu lockern, waren die einzigen, die sich amüsierten, glaube ich, sie und Dani, die zusammen das «Gaudi» hatten.

    Ich weiss nicht, vielleicht waren wir noch nicht soweit, vielleicht hätte es aber auch nie so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe.

    Obwohl ich mich über den Zettel von Sarina sehr gefreut habe, bin ich vom ganzen Tag doch ziemlich enttäuscht!

  • 2. Juni 1994

    2. Juni 1994

    Heute habe ich in der Schule «I ❤️ Nobody» geschrieben. Ich weiss nicht genau warum; ich glaube, der Grund dafür ist, dass ich das Gefühl habe, dass ich mich in Sarina oder Andrea verliebt habe. Ich weiss aber, dass das keine echte Liebe sein kann. Doch trotzdem fühle ich mich zu den beiden hingezogen. Vielleicht habe ich auch einfach nur Sehnsucht nach Liebe!

  • Zwischenkapitel (28.5.94)

    Zwischenkapitel (28.5.94)

    Zeittafel
    Februar–März 1992Anfang des ganzen «Unglücks»: erste Anzeichen, dass ich mich in Anna verliebt habe
    Juni 1992Klassenlager: Es wird mir bewusst, dass das die «wahre» Liebe ist.
    – Peter und ich schreiben Ansichtskarte aus Pfila
    – Fez: Näheres Kennenlernen
    – Müliweiher
    Juli–August 1992Sommerferien
    – Kennenlernen Ina
    – Staffetten im Ländeli
    – Ping-Pong spielen und reden
    – «Hochzeit» Mara und Roger
    – Übernachtung unter Sternenhimmel
    – Krach mit Pfister
    Mitte August 1992Schulanfang
    – Versöhnung mit Pfister
    – Krach von Annas Seite
    – erster Liebeskummer
    September 1992Anna findet mich wieder nett (?)
    Oktober 1992– Krach von Annas Seite
    – Liebeskummer und Selbstmordgedanken
    Mai–Juni 1993– Erster Kontakt seit langer Zeit mit Ina
    – Treffen mit Anna
    – Krach und Verzweiflung
    August 1993– Neuer Kontakt entsteht durch Peter
    – Aufnahme Zick-Zack
    – Spielnachmittag
    – mit Domi in Vorstand
    – Amt der Zeitung
    Oktober 1993– Arbeit an der Zeitung (rund um die Uhr)
    – Spaghettiabend bei mir zuhause
    – Fertigstellung der Zeitung
    – Kontakt-Abbruch
    Februar–März 1994– Kontakt-Wiederaufnahme
    – Freitagabend-Treffen
    April 1994– Fertigstellung der Zeitung
    – Zum Durchlesen
    > JETZT

  • 25. Mai 94

    25. Mai 94

    Ich bin nicht ins Jugi gegangen, noch nicht! Zwei Wochen später bin ich dann gegangen, aber da Anna und Ina nicht aufgetaucht sind, war es nichts besonderes.

    Man glaubt es nicht, aber wir haben die Zeitung, die wir ihnen nur zum Durchlesen gegeben haben, immer noch nicht zurück! Ich habe zwar zweimal kurz mit Ina geredet, aber das hat überhaupt nichts gebracht.

    Der eigentliche Grund dieses Eintrages ist aber ein anderer. Ich kann es fast nicht glauben, aber ich habe tatsächlich jemanden gefunden der (oder besser gesagt «die») besser aussieht als Anna. Es ist zwar nur auf einem Plakat, aber sie sieht toll aus. Wenn ich mir dieses Plakat anschaue, spielen meine Hormone allesamt verrückt.

    Dieses Plakat hängt an vielen Orten im Kanton Zürich und ich war bis gestern verrückt danach. Doch gestern wurden Domi und ich von Philipp darauf aufmerksam gemacht, dass man dieses Plakat gratis in einem Geschäft holen könne. Also gingen Daniel, Philipp, Domi und ich zusammen nach der Schule auf die Suche nach diesem Geschäft. Nach längerer Suche, fanden wir es. Obwohl es ein absoluter Frauenladen (nur Damenbadebekleidung) war, gingen wir hinein und bekamen auf Wunsch unsere 6 Poster (Plakate). Eines davon hängten wir im Klassenzimmer auf.

    Doch, womit wir nicht gerechnet hatten, es gab riesen Proteste unter unseren weiblichen Mitschülern. Nachdem wir völlig zerstritten waren, hängten wir das Plakat wieder ab. Aber der Streit ist noch nicht vorbei.

    Ich finde dieses Plakat (besser gesagt die Frau (ca. 16) darauf) einfach supermegagenial.

  • 22. April 1994

    22. April 1994

    Leider ist seit dem letzten Eintrag eigentlich nichts mehr passiert, ausser dass ich etwa vier Mal im Sinn hatte, mich umzubringen!

    Domi und ich haben gleich am Ostermontag den Entwurf der Zeitung zu Ina zum Durchlesen gebracht. Doch seitdem haben wir nichts mehr von ihnen (Anna und Ina) gehört.

    Es haben mich schon zwei Leute gefragt, ob ich nicht am Samstag (morgen) ins Jugi kommen wolle. Ich habe mich noch nicht entschieden.

    Zusammenfassung:

    In der Schule läufts scheisse, ich vermisse Anna und trotz der Ferien (Beginn heute) fühle ich mich zum Kotzen! Ist das Leben nicht scheisse?!!!

  • 3. April 1994 (Ostersonntag)

    3. April 1994 (Ostersonntag)

    Heute ist endlich die dritte Ausgabe der ZZZ [Zick-Zack-Zeitung] fertig geworden. Das Schöne daran ist: ich werde in Kürze Anna wiedersehen!

    PS: Kurz aber «Oho».

  • 1. April 1994

    1. April 1994

    Ich habe es geglaubt, ich habe wirklich gedacht, dass ich ohne Liebe leben kann. Aber es gibt Momente, da glaub ich sterben zu müssen, weil ich mich so einsam fühle. Ich habe zwar meine Familie, Domi und meine Kollegen und auch Kolleginnen, aber trotzdem fühle ich mich einsam.

    Obwohl ich weiss, dass Anna sich ganz, ganz sicher niemals in mich verlieben könnte, bin ich so naiv und mache mir noch Hoffnungen. Ich meine, Anna ist wahnsinnig attraktiv und ist unglaublich nett und ich bin sicher nicht im geringsten attraktiv und obendrein wahrscheinlich ein riesen Arschloch. Doch in meinen scheiss Träumen ist mir das völlig egal. Ich wollte, ich würde das Gefühl des Verliebtseins nicht kennen, aber ich tue es!

  • Zwischenkapitel (23.3.94)

    Zwischenkapitel (23.3.94)

    Wer ist wer?

    Eine der wichtigsten Personen in meinem Tagebuch (und auch in meinem Leben) ist Domi. Er ist seit etwa 10 Jahren mein bester Freund und steht mir (mehr oder weniger) immer bei. Er ist sehr gut in der Schule, weil er ziemlich viel lernt. Lange ist er mit Ina gegangen, bis sie vor ein paar Wochen mit ihm Schluss gemacht hat. Er ist immer noch unsterblich (?) in sie verliebt. Im Grossen und Ganzen bin ich sehr froh, so einen Kollegen (Freund!) zu haben! Ausserdem machen wir zusammen die Zick-Zack-Zeitung, die ein riesen Erfolg ist. Er ist mit Anna, Ina und mir im ZZ-Vorstand.


    Das ist Pfister, ein guter Kollege. Er möchte sehr viel am Computer sitzen, Ping-Pong spielen und Fernsehen schauen. Er ist bei Anna und Ina seit dem Sommer 1992 nicht mehr so beliebt. Er ist ein guter Kollege, aber als Freund kann man ihn nicht bezeichnen.


    Das ist Ina. Sie ist einer der nettesten und hübschesten (!) Menschen, die ich kenne! Leider ist das ein sehr schlechtes Foto von ihr. Sie ist die Cousine von Anna. Weitere Angaben findet man auch bei Domi.


    Das ist Anna. Sie ist das hübscheste Wesen auf der Welt und zugleich der netteste Mensch, der mir je begegnet ist! Sie hat das schönste Lächeln, das man sich vorstellen kann, und eine traumhafte Figur. Kurz, ich bin bis über beide Ohren in sie verliebt. Und das seit über zwei Jahren (was für einen 14-jährigen Jungen eine lange Zeit ist).

    Sie ist sehr sportlich und hat das ganze Zimmer voller Medaillen. Sie versucht in diesem Frühling die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium. Sie ist zusammen mit Ina die Gründerin des Zick-Zacks. Mit Ina ist sie nicht nur verwandt, sondern sie sind auch die besten Freundinnen. Sie ist mehr als ein halbes Jahr älter als ich (Geburtsdatum: 2.8.1978). Momentan geht sie so halbwegs mit Urs Meier, den ich einen super lässigen Typen finde, auch wenn das, glaube ich, nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Anna und Meier knutschen, glaube ich, ziemlich viel rum.* Doch, ich weiss nicht warum, aber es stört mich eigentlich nicht mehr.

    Leider ist das das einzige gute Foto, das ich von Anna habe. Inzwischen ist sie natürlich noch viel hübscher geworden.

    * Sorry für den ein wenig blöden Satz.


    Und schliesslich: Ich.

    Auch wenn es sehr schwer ist, über sich selbst zu schreiben, möchte ich es doch versuchen. Ich bin ein nicht gerade gutaussehender 14(1/2)-jähriger Junge, gehe auf Zürich ins Gymnasium und bin wahnsinnig verliebt. Ich bin einigermassen sportlich und hoffentlich auch erträglich (denn irgendeine gute Eigenschaft muss ja jeder Mensch haben, oder?). Ich trage bei ein paar Mädchen hier in Uetikon den Spitznamen «Schlimi», was mich aber mehr belustigt als kränkt (da ich sowieso nichts von diesen Mädchen halte!). Ich bin sehr romantisch und vielleicht ein bisschen zu sensibel. Momentan bin ich provisorisch (im Gymi), aber ich «Tubel» nehme das Leben immer noch viel zu locker. Im Grossen und Ganzen bin ich, glaube ich, ein ganz lustiger Boy!

  • 12. März 1994

    12. März 1994

    Wenn ich so die vorherigen Einträge lese, wird mir bewusst, wie nah ich schon manchmal am Selbstmord war. Aber nie war ich so nah wie am Abend des 28. Junis 1993. Jetzt bin ich froh, dass ich mich nicht umgebracht habe. Gestern Abend (Freitag) läutete ziemlich genau um halb 6 Uhr abends das Telephon. Es war Domi. Er erzählte, dass ihm gerade Ina angerufen habe und dass sie auch mich noch zu erreichen versuchen würde. Da ich aus Domis Geschwafel «nicht draus kam», war ich gespannt auf Inas Anruf. Sie erzählte mir, dass sie und Anna kurzfristig ein Vorstandstreffen [des Zick-Zacks] machen wollen. Ich willigte natürlich sofort ein. Wir machten auf die Viertel nach 6 Uhr bei Anna ab. Als ich jedoch bei Domi um fünf nach 6 ankam, erklärte er mir, dass er erst um Viertel vor 7 dort sein könne. Mit einem ein wenig mulmigen Gefühl ging ich also allein los. Zuerst war es ein wenig ein komisches Gefühl, mit Anna und Ina allein, aber es war ja nicht das erste Mal! Als Domi kam, ging es mir bestens. Wir sprachen dann noch bis halb 8 über den Zick-Zack. Dann teilte Ina uns mit, dass sie jetzt gehen müsse. Domi und ich wollten eigentlich auch gehen, aber schliesslich sprachen wir noch eine halbe Stunde lang mit Anna (allein!!!).

    Ich bin jetzt wieder zuversichtlich. Und obwohl ich es selbst kaum glauben kann, macht es mir jetzt nichts mehr aus, dass Anna mit Urs Meier zusammen ist. Ich gönne es beiden und glaube, dass sie sich wirklich lieben. Ich weiss nicht wieso, aber ich bin glücklich.

  • 6. März 1994

    6. März 1994

    Für mich ist heute eine Welt zusammengebrochen. Es ist endgültig aus, und wenn es noch so weh tut, ich muss es doch einsehen. Und trotzdem werde ich nie aufhören, Anna zu lieben!