12. Februar 1996

Es ist Montagnachmittag. Seit letzten Freitagabend haben wir Ferien. Ich bin zur Zeit mit Mum and Dad in Seewis, in etwa zweieinhalb Stunden kommt auch noch Bruno. Er bleibt aber nur zwei Tage. Bis jetzt hat es mich eigentlich recht angekotzt hier oben, nichts los und so. Aber ich glaube, ich habe das Ganze einfach ein bisschen falsch gesehen, das «nichts los und so» ist ja eigentlich gerade das Schöne. Ich habe endlich einmal Zeit für mich selbst, meine Gedanken, meine Träume. Kein Computer, kein Basketball, keine Schule, dafür frische Luft, viel Musik und vielleicht sogar ein gutes Buch. Mal gesund und bewusst leben, statt immer nur zu stöhnen, wie wenig Zeit ich habe.

Der Freitagabend war sehr schön, obwohl der Film Kids absolute Oberscheisse war! Am Anfang hatte ich Angst, ich wüsste dann sicher nicht, über was ich mit ihr reden sollte, völlig idiotisch! Wir plauderten und plauderten, manchmal über interessanteres, manchmal über weniger spannendes. Joana ist wahnsinnig nett und sehr hübsch, aber ich bin nicht in sie verliebt und das ist sehr, sehr gut so. Auf diese Weise kann ich eine sehr gute Freundin gewinnen, genau das habe ich mir mit Martina verdorben, denn diese Beziehung kann man nicht mehr retten, leider. Auch Sina und Sonja sind keine Vertrauenspersonen für mich, nochmals leider, aber wahr.

Der Freitag war ein sehr schöner Tag. Am Morgen verabschiedeten wir Frau Keeling (= unsere bisherige Geometrielehrerin), ich finde es schade, dass wir sie nicht mehr haben. Über Mittag waren Benni und ich mit Ronja und Joana zusammen. Nachdem ich mir das NHL 96 gekauft hatte, haben wir einen «Tram-Zmittag» gemacht. Das heisst, man kauft sich Verpflegung im Coop oder Migros, hängt ins Tram und isst dort. Man bleibt einfach hocken, auch wenn das Tram bereits wieder kehrt.

Am Nachmittag kam zuerst die Franzstunde. Wir schafften es tatsächlich, Frau Sturm (unsere Arschfranzlehrerin) dazu zu überreden, einen SchneELM (Schnee-Elm) bauen zu gehen. Natürlich wurde nicht gebaut, sondern gekämpft, in einer waschechten Schneeballschlacht natürlich. Obwohl Frau Sturm tobte und Herr Elm auch nicht gerade einen freundlichen Eindruck machte (aber wann macht er das schon!??!), war es voll cool! Wir haben irgendwie doch noch eine easy Klasse, vor allem Matthias ist doch noch ein witziger Typ.

Nachdem wir eine, nicht gaanz sooo interessante Deutschstunde hinter uns gebracht und Frau Huber (unsere Ex-Algebra-Lehrerin) verabschiedet hatten, beschlossen wir, auf die Musikstunde zu verzichten (d.h. sie zu schwänzen). Schliesslich wollten wir die Sonne noch ein bisschen geniessen! Benji, einer seiner Kollegen, Nils, Michael, Benni, Ronja, Joana und ich gingen runter zum See, um uns zu entspannen und die Ferien zu feiern. Es war ein schöner Sonnenuntergang, vor allem war es schön, die Sonne endlich mal wieder zu sehen, wunderschön! Es sollte gefälligst wieder Sommer werden, darüber waren wir uns alle einig!

Ich brauche eine Freundin, eine wie Joana, aber eine, die mich liebt!