Tagebuch – jetzt vor 30 Jahren

  • 21. Oktober 94

    21. Oktober 94

    So, leider ist das Konflager jetzt vorbei! Schade! Sehr schade! Ich habe, glaube ich, noch nie etwas soooo bedauert! Es war toll! Super! Spitze! Ich war so oft mit Anna zusammen, wie iche es nicht zu träumen gewagt hätte! Leider hatte ich keine Zeit ein Lagertagebuch zu schreiben. Ich werde versuchen, meine Erinnerungen niederzuschreiben:

    Montag, 17.10.

    Am Montagmorgen, bei der Hinfahrt im Zug, dachte ich, dass es genau so werde, wie ich es vermutet hatte: Die Mädchen unter sich und die Jungen unter sich. Als wir ins Postauto nach Valbella einstiegen, setzte ich mich hinter Anna. Dort habe ich die ersten Worte mit ihr gewechselt (obwohl das Gespräch extrem uninteressant und kurz war, habe ich mich wahnsinnig gefreut!). Als wir im Lagerhaus angekommen waren und uns in ihm eingerichtet hatten, spielten wir (Peter, ich und ein paar andere Knaben) zuerst ein wenig Ping-Pong, danach haben wir uns mit Nicole und Anna ziemlich lange unterhalten, es war aber relativ uninteressant.
    Frau Zimmermann hat uns nach dem Nachtessen erklärt, dass es zwei Sachen gäbe, warum sie jemanden heimschicke: Betrunkenheit und Mädchen nach der Nachtruhe bei den Knaben oder umgekehrt. Unberührt von dieser Tatsache machte unser Viererschlag mit Anna und Nicole, die einen Zweierschlag direkt gegenüber von uns hatten, ab, dass sie kurz nach der Nachtruhe, also etwa um 23:20 Uhr, zu uns kämen.
    Und,… sie kamen. Philippe wollte schlafen, also redeten Schneider, Peter und ich alleine mit Anna und Nicole. Es war super! Unter anderem machten Anna und ich Armdrücken. In dieser Nacht habe ich zwar fast nichts geschlafen, aber ich war glücklich!

    Dienstag, 18.10.

    An diesem Tag waren die jüdischen Jugendlichen bei uns. Es war sehr interessant. Mit Anna habe ich eigentlich hauptsächlich Ping-Pong gespielt. An diesem Abend gingen Peter und ich zu Anna und Nicole in den Schlag. Wir waren alle sehr müde, so dass nicht gerade sehr interessante Gespräche entstanden. Aber dafür hätte ich fast unter dem gleichen Schlafsack wie sie gepennt, aber es war so oder so noch Peter dazwischen. Leider!

    Mittwoch, 19.10.

    Wir waren auf der Wanderung. Zuerst gingen wir alle zum Sessellift. Oben angekommen trennten wir uns; Claudine, Larissa, Anna und Serena, Andy, Silvio, Hofer, Egli, Philippe, Peter, Fäbe und ich gingen auf die «harte» Wanderung, der Rest machte die leichte. Komischerweise ging ich fast unabsichtlich immer in Annas Nähe. Während wir wanderten, windete es so stark, wie ich es, glaube ich, noch nie erlebt habe. Nach dem Mittagessen auf einem Gipfel gingen Andy, Philippe, Silvio, Egli und Fäbe noch einmal auf einen Berg, während der Rest von uns (auch Anna!) gemütlich den Heimweg antrat. Während dem Abstieg war ich absolut deprimiert, ich weiss gar nicht mehr warum! An diesem Abend habe ich gelernt «Ligretto» zu spielen. Als wir die Gruppen auslosten, hatte ich Glück, Anna und ich waren zusammen! Doch leider hat diese blöde Zimmermann dieses Spiel unterbrochen und wir schauten «das Tagebuch der Anne Frank». Es war ein schwacher Trost, dass Anna und ich zu dieser Zeit gerade in Führung lagen und somit dieses Spiel gewannen. Am späteren Abend ist leider nichts Interessantes mehr passiert.

    Donnerstag, 20.10.

    An diesem Tag wurden Peter und ich um 7 Uhr von Röme (ein netter Kerl!), auf am Vorabend geäusserten Wunsch, geweckt. Wir haben uns angezogen und Peter ging Anna wecken. Jetzt gingen wir zu dritt joggen. Es war noch lässig. Später bereitete das ganze Lager den Gottesdienst vom Sonntag vor. Ich spiele einen alten Mann. Dann haben wir herausbekommen, dass Anna und Nicole das gleiche Spiel für den Schlussabend vorbereitet hatten wie unser Schlag. Aber wir einigten uns darauf, dass sie ein anderes Spiel machten. Dann kam nach weiterem Ligretto-Spielen der Schlussabend. Zuerst zeigten wir unser Spiel, es ging, glaube ich, ziemlich in die Hosen. Dann war Hofers Gruppe an der Reihe. Das Problem war, dass sie Freiwillige brauchten und als sich niemand meldete, wählte Hofer drei Leute aus: Andy, Lara… und mich! Ich musste beim Kassensturz als Zahnpasta-Vertreter hantieren. Ich habe mich wahrscheinlich gar nicht schlecht geschlagen. Danach kam Annas Spiel und dann Montagsmaler von Fäbe und Dani. Jetzt lasen die Leiter einen Tagesschaubericht vor, in dem unsere Namen versteckt waren. Zum Beispiel: « […] … schrieb einen Roman […] …, an die Kulturfreunde […]». Danach kam die Schnitzelbank. Es wurden etwa zehn Leute «abegmacht», darunter auch Anna wegen des Vegetarier-Seins, ich wegen dem wenigen In-die-Kirche-Gehen und natürlich Frau Zimmermann wegen der neuen Frisur.

    Danach kam das «Mörderli-Spiel», in dem ich einmal der Mörder (ich habe neben etwa sechs anderen auch Anna umgebracht) und einmal – mit Claudine und Larissa zusammen – Richter war. Dann kam noch das «Theöterlä». Hier war ich einmal mit Nicole auf dem Standesamt (Ja, ich will) und einmal mit Philippe in der Schwulenbar (Hey, Süesä). Danach waren wir alle zu müde, um noch etwas zu machen.

    Freitag, 21.10.

    Der Tag der Abreise (schnüff!). Am früheren Morgen wurde fleissig gepackt und er Schlag ein wenig aufgeräumt. Danach hielten wir draussen einen Gottesdienst ab, in dem wir alles noch einmal spielten, was wir für den Gottesdienst vorbereitet hatten. Danach musste ich mit Dani den Waschraum der Knaben putzen. Es war aber noch lustig. Als wir damit fertig waren, machten wir ein Gruppenfoto und spielten anschliessend zusammen Frisbee (fast alle!). Ich war mit Anna in der Gruppe! Dann gab es Zmittag und dann spielte ich ein letztes Mal Ligretto, zusammen mit Peter, Fäbe, Egli, Rahel und Anna. Anna und Rahel haben gewonnen. Schliesslich traten wir traurig die Heimreise an. Im Zug war ich hauptsächlich mit Anna zusammen. Ein wenig (sehr!) traurig bin ich vom Bahnhof nach Hause gefahren!

    So, das war das Konflager 1994 in Kurzform. Inzwischen habe ich geschlafen und jetzt ist es Samstag um acht Uhr abends. Gestern Abend bin ich etwa um halb sechs Uhr zu Domi gegangen, dort haben wir gegessen, gejasst, gepokert und lange, lange geredet. Der Verdacht, dass Anna mit Altmann geht hat sich jetzt endgültig bestätigt. Aber ob das lange hält?…
    Ich muss vielleicht noch einmal genauer sagen, was dieses Lager für mich genau gebracht hat: Sehr, sehr viel Spass, ein «näheres» Kennenlernen von Claudine und eine gute Freundschaft mit Peter. Im Zusammenhang mit Anna: Ich bin mir jetzt ganz sicher, dass sie das hübscheste Wesen der Welt ist! Ich habe wieder gesehen, dass ich sie nicht nur wegen des Aussehens, sondern vor allem wegen dem Verhalten liebe! Ich konnte sie oft lächeln sehen! Ich hatte es lustig mit ihr. Leider hat es mir aber auch gezeigt, wie wenig Chancen ich, auch wenn ich fast rund um die Uhr mit ihr zusammen bein, bei ihr habe!
    Heute, am Samstag, dem 22.10., war Peter von zwei bis halb fünf bei Anna und danach kam er noch eine Stunde zu mir. Er hatte es, glaube ich, noch lustig mit Anna. Altmann ist auch noch bei Anna aufgetaucht. Ob es wohl doch länger hält?

  • 16.10.94

    16.10.94

    Sonntagabend (22:22 Uhr). In 10 Stunden steige ich in den Zug ein. Leider ist mein Fülli bereits eingepackt, deshalb schreibe ich mit Bleistift. Jetzt wird beis Freitag kein Eintrag mehr folgen. Ich werde versuchen, ein Lagertagebuch zu führen. In einer Woche würde ich mich wohl am liebsten zu diesem Augenblick zurückwünschen. Morgen sehe ich Anna, ist das nicht toll!!!?!!!

  • 15.10.94

    15.10.94

    Wenn ich jetzt, um elf Uhr abends, auf den heutigen Tag zurückschaue, kann ich nur sagen; LANGWEILIG! Ein wenig Basketball, ein wenig Schlaf und «ein wenig» (!) Computer und Fernsehen. Wenn da nicht dieses eine Ereignis wäre! Es ist etwas passiert, von dem ich bis dato nur geträumt habe.

    ich sitze in meinem zimmer. trrring, trrring. ich zeihe mein t-shirt an und will mein zimmer verlassen. in diesem moment kommt mein bruder in mein zimmer. «erich, ANNA und INA sind vor der türe» «??? für mich?» «ja.» erstaunt gehe ich zum fenster…

    Genau so hat es sich zugetragen. Und, wie ging es weiter? Ina fragte mich nach den Adressen von Lehmann und Jonas. Ich ging sie suchen und fand sie nicht. Sie verabschiedeten sich und fuhren mit ihren Velos davon. Die Details sind unwichtig. Ich habe sie nicht hineingebeten, ich bin nicht runter zur Türe gegangen, ja, ich habe nicht mal versucht, ein Gespräch zu beginnen.

    Anna sah nachdenklich aus. Wunderschön und nachdenklich. Was sie sich wohl überlegt hat? Ob Ina sie überreden musste mitzukommen? Als ich gesagt habe, dass Jonas und Lehmann wahrscheinlich gar nicht wüssten, dass sie im Zick-Zack sind (was übrigens höchstwahrscheinlich stimmt), hat sie gelacht. Trotz diesem freundlichen Lachen glaube ich immer noch, dass sie mich ein Arsch findet.

    In 1980 Minuten sitze ich bereits im Zug ins Konflager (mit Anna!!). Davon schlafe ich wahrscheinlich ca. 1020 Minuten. Also muss ich noch etwa 960 Minuten warten. Das sind 55200 Sekunden oder 5 Milliarden 520 Millionen Hundertstelsekunden!!
    Hoffentlich kommt das gut!!!!!!!!!!!!!!

  • 14.10.94

    14.10.94

    Heute war Peter bei mir. Ganz nebenbei hat er gesagt, dass Anna jetzt mit Altmann gehe. Ehrlich gesagt halte ich das für ein Gerücht. Aber selbst wenn Anna und Altmann miteinander gingen (lächerlich!), wäre das kein Weltuntergang, das würde keinen Monat halten. Trotzdem scheint Anna jetzt sehr oft mit Altmann zusammen zu sein. Aber ein Paar? Lächerlich.

    Heute habe ich die ganze Nacht von ihr geträumt. Und immer wenn es im Traum so aussah, als fände sie mich nett, änderte der Traum sich so, dass klar wurde, dass dem nicht so sei. Wei in Wirklichkeit. Ich verstehe das nicht, sonst bin ich doch wirklich beliebt. Ich meine, ich will nicht eingebildet erscheinen, aber es scheint wirklich so, als würden mich alle mögen. Bloss sie nicht. Sie hasst mich. Wieso?!! Wieso?!?!?!!!?

    Vielleicht stimmt es ja doch. Aber Altmann???
    Das wäre etwas, das ich nicht um alles in der Welt verstehen könnte! Lächerlich? Hoffentlich!

  • 10.10.94

    10.10.94

    «I can’t living without You»

    Heute war ich auf einem Spaziergang. Als ich mit Puls 150 bei Anna vorbeiging und einen Blick in ihr Wohnzimmer riskierte, sah ich sie! Mir lief es kalt den Rücken hinunter! Immer wenn ich sie sehe, wird es mir schwarz vor den Augen, meine Sinne schwinden. Sie ist so wunderschön! So unglaublich schön! Wenn sie mich bloss mögen würde. Hoffentlich geht das Konflager gut! Hoffentlich!

    «YES, I CAN’T LIVING WITHOUT YOU!»

  • 9.10.94

    9.10.94

    Ich habe Angst! Was, wenn sie sich im Lager mir gegenüber genauso verhält wie sonst? Distanziert, abweisend. Was, wenn sie nichts von mir wissen will? Was, wenn das ganze Lager ein vollkommener Reinfall wird? Ich kann nicht leben mit der Gewissheit, dass sie mich hasst. Noch ist nichts bewiesen, aber wenn das Lager so abläuft, wie ich es befürchte, habe ich Gewissheit. Was dann? Selbstmord? Aber was habe ich davon, mich umzubringen? Liebt sie mich dann? Nein, ich möchte nur Aufmerksamkeit… von ihr. Ich will, dass sie weiss, wie sehr ich sie liebe! Aber, was würde das ändern? Nichts! Absolut nichts!
    Sie hasst mich!

  • 5.10.94

    5.10.94

    Nur noch zwei Tage bis zu den Ferien! Aber vorher bekommen wir noch ein GS-Ex zurück und müssen ein GG-Ex schreiben. Domi denkt, dass Anna etwas von Altmann will, das glaube ich nicht! Nein, da habe ich keine Angst! Aber trotzdem fuckt es mich gewaltig, dass er so gut mir ihr auskommt und ich nicht!!!!!
    Lüthi hat sich, so viel ich weiss, in Ina verliebt, was, nebenbei gesagt, verständlich ist. Aber Ina hat ihm gesagt, dass sie mit Domi gehe, also einen eindeutigen Korb gegeben. Aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob diese «Beziehung» lange hält. In zwei Wochen bin ich bereits im Konflager (geiiiiil). Hoffentlich kann ich vorher nochmals mit Ina sprechen!

    Ob Anna mich wirklich hasst? Auf jeden Fall findet sie mich nicht gerade sehr nett!

    Drei Stunden nach dem Eintrag von heute, um halb zehn Uhr abends. Jettz habe ich endlich kapiert, wieso ich lebe. Liebe ist das Grösste und Schönste der Welt. Sie ist unendlich, das einzige was zählt! Egal wie man lebt, obe es einem gut oder schlecht geht, die Liebe ist immer das Wichtigste. Ich bin froh, dass ich liebe. Ich liebe Anna! Ich werde sie immer lieben, egal was passiert, immer!!

  • 2.10.94

    2.10.94

    Die Beziehung von Ina und Domi steht, glaube ich, ein bisschen auf wackligen Beinen! Nicht von seiner Seite, nein, er würde ALLES für sie tun! Heute waren wir an der Chilbi. Anna und Ina waren auch da… mit Lüthi und Altmann. Anna und Ina verhielten sich, als ob wir Fremde wären, schlimmer noch, sie mieden uns wie die Pest. Wann werden sie endlich die Courage haben, sich mit uns auch in der Öffentlichkeit zu unterhalten? Sie hasst mich! Ja, sie hasst mich!

  • 1.10.94

    1.10.94

    Umbringen. Das wäre jetzt die einfachste Lösung. Kurz und schmerzlos. Feige! Ich laufe vor meinem eigenen Leben davon. Aber ich habe Angst! Ich habe wahnsinnige Angst! Denn, was geschieht nach dem Konflager? Er wird sich nichts ändern. Ich brauche sie! Aber sie hasst mich. Nichts wird sich ändern. Feige, aber einfach. Die beste Lösung, die niemandem schadet. Ich hasse dieses verdammt scheiss Leben. Bitte, ich brauche Hilfe. Ihre Hilfe. Ich verlange ja nicht, dass sie mich liebt, aber sie könnte sich mir gegenüber doch so verhalten wie zum Beispiel gegenüber Altmann oder Lüthi. Sie hasst mich.

  • BUFFALO

    BUFFALO

    30. September 1994

    Freitagmorgen, kurz nach halbacht. Wenn nur diese Prüfungen nicht wären! Nur noch ein paar Stunden!

    Mittag um 12 Uhr. Ich schreibe diesen Eintrag in der Schule. Rund um mich herum wird kräftig gelernt. Ich hingegen rechne die Sekunden bis zum Konf aus. 22500! Aber vorher habe ich noch zwei wichtige Prüfungen vor mir.

    So, diese Prüfungen sind jetzt vorbei. Wie sie gelaufen sind? Nicht gut. Aber im Moment ist das egal! Jetzt ist die Stunde gekommen. Die Stunde des Konf. Nicht einmal mehr 30 Minuten geht es noch! Hoffentlich läuft es gut!

    Zehn Uhr abends. Der ganze Spuck ist vorbei. Wie enttäuschend. Ich konnte Anna zwar oft anschauen und habe sie auch lachen sehen. Aber es wurde wieder klar, dass ich bei ihr gar nicht sonderlich beliebt bin (im Gegensatz zu Philippe, Altmann, Gerber und allen anderen Menschen auf der Welt!)

    Wenn sie nur nicht so verdammt hübsch wäre! Auch Ina sieht sehr gut aus, aber sie ist mit Abstand das hübscheste Wesen der Welt!

    In einer Woche habe ich Ferien. Ob ich mich freue? Ja, ich glaube schon. Wie das Konflager wohl wird?